Veröffentlicht am Mo., 23. Mai. 2022 13:17 Uhr

Flucht aus der Ukraine ein Berliner Déja-vu?

Berlin erlebt es immer wieder und schon lange: Menschen suchen in der Stadt Zuflucht vor Krieg, Verfolgung oder Hunger. So gesehen ist die Flucht von Menschen aus der Ukraine nur das jüngste Beispiel. Schnell erinnert man sich an die Jahre 2015 und 2016. Das liegt nahe, doch es gibt auch Unterschiede: Aus der Ukraine kommen überwiegend Frauen und Kinder, sie erreichen Berlin schneller in größerer Zahl und viele kommen zunächst privat unter – um nur einige Beispiele zu nennen. Auch der Status der meisten Vertriebenen in Deutschland ist ein anderer, da die europäische Massenzustrom-Richtlinie anwendet wird. Die wenigsten stellen einen Asylantrag (oder sollten es tun). Daraus ergeben sich andere Regelungen mit Blick auf ihre Aufenthaltstitel, den Zugang zum Arbeitsmarkt und die staatliche Versorgung.  

Eine Frage ist allerdings gleich geblieben: Was brauchen die Menschen nun? Sowohl innerhalb der Ukraine als auch hier in Berlin ist die Lage dynamisch. Kirchengemeinden, hauptamtliche und viele ehrenamtliche Helfer reagieren vielfältig darauf: In der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz wurden zwischenzeitlich rund 1700 Notbetten in Gemeinden zur Verfügung gestellt. Ein herausforderndes Angebot, das viel Unterstützung vor Ort erfordert. Andere beherbergen übergangsweise kleinere Gruppen bei sich. Viele Menschen riefen auch bei mir an und fragten, wo und welche Hilfe gebraucht werde. Einige Berliner engagieren sich zum ersten Mal für Geflüchtete. Andere sind seit Jahren aktiv oder nehmen sich nun noch mehr Zeit dafür. Wie schön, wenn sie sich ergänzen! Zuweilen ist auch der Zufall hilfreich – zum Beispiel, wenn man von einem Nachbarn auf der Straße erfährt, dass er Russisch oder Ukrainisch spricht und Lust hat, sich spontan einzubringen. All das hilft.  

Jenseits der Unterbringung haben viele Kirchengemeinden innerhalb kurzer Zeit Deutschkurse, Begegnungsmöglichkeiten und Angebote für Kinder geschaffen. Gemeinschaft hilft den Menschen aus der Ukraine, in einen neuen Alltag zu finden. Neue Kooperationen mit Sprachschulen, Vereinen, Stadtteilzentren und Unterstützern entstehen, die auch über die aktuelle Situation hinaus wertvoll sind. Über die vielen unterschiedlichen Initiativen in unserem Kirchenkreis können Sie sich unter hier auf der Website des Kirchenkreises informieren. 

Nun mag es für Helfende auch überfordernde Situationen geben, in denen man Austausch braucht, Fragen hat oder Probleme erlebt. Wenden Sie sich in diesem Fall gerne an mich oder auch abends von 18 bis 22 Uhr an die Volunteer Helpline von Diakonie und Caritas unter Telefon 030 403 66 58 88.

Haben Sie herzlichen Dank für Ihre Ideen, Ihre Spenden und Ihr vielseitiges Engagement!

Susanne Pumpe, Beauftragte für Flucht, Migration und Integration in C-W

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