Veröffentlicht am So., 1. Mär. 2020 00:00 Uhr

Jesus Christus spricht: Wachet! (Markus 13, 37)

Es sind die Tage nach Weihnachten. Der große Trubel ist vorbei, Ruhe ist eingekehrt. Ich sitze gemütlich bei einer Tasse Tee und Kerzenschein am Weihnachtsbaum und denke über den Monatsspruch für März nach: Wachet! Ein einfaches Wort, eine Aufforderung von Jesus, ohne viel Drumherum. Eine Mahnung zur Wachsamkeit. Im Markusevangelium ist es das letzte Wort vor den Abschnitten über das Leiden und Sterben Jesu und seine Auferstehung.

Aber was bedeutet diese Aufforderung eigentlich? Und wie erleben und leben wir sie? Wenn ich darüber nachdenke, fallen mir zunächst einmal die ganz persönlichen Situationen ein. Nach der Geburt eines Kindes wachen wir an der Wiege über das Neugeborene. So haben wir es auch an Weihnachten gehört. Maria und Josef, die an  der Krippe stehen und über Jesus wachen. Gerade in den ersten Lebensjahren  unserer Kinder müssen wir wachsam sein, unsere Kinder behüten und vor Gefahren schützen. Wenn sie krank sind und fiebern, sitzen wir daneben und passen auf sie auf. Wenn sie ihre ersten Schritte hinaus in die Welt machen, begleiten wir sie und  sorgen dafür, dass sie sicher sind.

Auch bei schwerkranken und sterbenden Angehörigen und Freunden sitzen wir und wachen. Wir geben das Gefühl, nicht allein zu sein, geben Geborgenheit und Beistand und begleiten sie in den letzten Stunden ihres Lebens. Das hilft auch uns, Abschied zu nehmen von einem geliebten Menschen. Aber leider bekommen wir oft nicht die Gelegenheit für diesen Abschied. Wenn der Tod eines Menschen plötzlich und unerwartet kommt. 

So habe ich es selbst vor 22 Jahren erlebt, als ein guter Freund plötzlich umgefallen und an Herzversagen gestorben ist. Keine 24 Stunden vorher hatten wir noch gemeinsam eine Schicht in einem Nachtcafé für Obdachlose durchwacht, ohne zu ahnen, dass es unser letztes Gespräch sein würde. Am nächsten Abend kam dann die schreckliche Nachricht seines Todes. Die darauffolgenden Stunden habe ich zusammen mit vielen Freunden in der Kirche verbracht. Wir haben Nachtwache gehalten, gemeinsam geweint und getrauert. Und noch heute versammeln wir uns jedes Jahr um seinen Geburtstag herum, zusammen mit seiner Mutter, am Grab und erzählen uns anschließend in einem nahen Café Geschichten über unseren Freund und das, was uns mit ihm verbindet.

So haben viele Menschen ihre persönlichen Erlebnisse, Erfahrungen und Geschichten zum Thema unseres Monatsspruches. Doch Jesus fordert uns mit seinem „Wachet!“ auch auf, aufmerksam und wachsam im Alltäglichen und gegenüber unseren Mitmenschen und der Umwelt zu sein. Es geht nicht nur um unser persönliches Wachen, sondern eine Wachsamkeit in allen Bereichen unserer Gesellschaft.  Klimawandel, Kriege und politischer Populismus gehen uns alle an. Gerade die  Jugend hat in den vergangenen Monaten in beeindruckender Weise protestiert und uns Erwachsene aufgefordert, endlich zu handeln - ebenso wie die Politik, die den Klimawandel und dessen Folgen seit Jahrzehnten verschläft. Rettungsorganisationen  schippern seit Jahren wachsam über das Mittelmeer, um Flüchtlinge aus Afrika von  halb gekenterten Booten zu retten. Doch wer wacht über die vielen Kinder in den  Flüchtlingsheimen? 

Beim ersten Gottesdienst in der Synagoge nach dem Anschlag in Halle im letzten Oktober haben hunderte von Menschen auf der Straße vor der Synagoge gewacht,  damit die jüdischen Mitbürger geschützt und ohne Angst ihren Gottesdienst feiern konnten. Jeder kann daran mitwirken, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Wo  können wir uns engagieren, wo können wir Farbe bekennen? Hier sind alle  aufgefordert, wachsam zu sein und da zu handeln, wo es notwendig ist.

Jan Langer

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