Veröffentlicht von Timo Wolff am Mi., 6. Mai. 2020 23:19 Uhr

„Eure Städte sind mit Feuer verbrannt“ - „Aber mein Heil bleibt ewiglich, und meine Gerechtigkeit wird kein Ende haben.“

Diese beiden Schriftworte aus der Bibel – Jesaja 1,7 und 51,6 – stehen spannungsvoll auf der größten der sechs Glocken der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. 1961 erstmalig mit ihrem tiefen Ton erklungen, wird sie am 8. Mai 2020 ab 17.50 Uhr zum 75. Jahrestag des Kriegsendes geläutet. Sie stimmt auf eine Friedensandacht mit Bischof Dr. Stäblein im symbolträchtigen Ruinenturm der Gedächtniskirche ein. Sie wird um 18.00 Uhr als Stream unter www.ekbo.de/livestream ausgestrahlt.

Gleichzeitig soll das Friedensgeläut von vielen anderen Kirchenglocken überall in Berlin und darüber hinaus aufgenommen werden und eine gemeinsame Botschaft über die Stadt tragen. Viele evangelische Kirchengemeinden haben bereits zugesagt. Auch das katholische Erzbistum Berlin erwägt, sich zu beteiligen.

„Aber mein Heil bleibt ewiglich“: das ist die Friedensbotschaft Gottes an die ganze Welt. Sie ist ursprünglich zum Volk Israel gesagt, verbunden mit der Verheißung „der Herr tröstet alle ihre Trümmer“. Und nur so können auch wir es an diesem 75. Jahrestag hören: im Gedenken zuallererst an diejenigen, die 1945 aus den Vernichtungslagern und Gefängnissen und Folterkellern befreit wurden – und zugleich an die unzähligen, die diese Befreiung nicht mehr erleben konnten.

In der Trauer um die Opfer, die dieser von Deutschland ausgegangene Krieg überall in der Welt gefordert hat. Im Festhalten der Erinnerung, dass mit der Kapitulation am 8. Mai die von Gott verheißene „Gerechtigkeit“ sich stärker erwiesen hat als das Unrechtsregime der Nazis. Im Ernstnehmen des Wunders, dass wir nun schon seit einem Dreivierteljahrhundert mit unseren Nachbarn und der Welt in Frieden leben dürfen. Und immer wieder als Frage: Wie tragen wir heute zur Bewahrung und Ausbreitung des Friedens bei?

Pfarrer Martin Germer

Auch die Glocken der Hochmeisterkirche erinnern am 8. Mai um 17:50 Uhr an das Kriegsende.

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