Veröffentlicht am So., 2. Mai. 2021 22:51 Uhr

Meine Damen und Herren, liebe Freunde,

ich begrüße Sie zu unserer kleinen Feier anlässlich der Grundsteinlegung für unseren Hochmeisterpavillon. Wir haben im Vorfeld dieser Veranstaltung im Gemeindekirchenrat diskutiert, ob es in diesen Zeiten, mitten in der Pandemie – oder hoffentlich am Ende der Pandemie, angebracht ist, eine feierliche Grundsteinlegung zu zelebrieren. Und wir haben tatsächlich mit dem Gedanken gespielt – wie leider auch schon beim ersten Spatenstich – auch auf diesen Akt zu verzichten. Es gab dann glücklicherweise einige vehemente Fürsprecher, so z.B. Jürgen Wandel, der uns daran erinnert hat, dass die Legung eines Grundsteins ein wichtiges und prägendes Ereignis in der Geschichte einer Kirchengemeinde ist und sich ins kollektive, historische Gedächtnis der Gemeinde einbrennt.

Ein Blick in unserer Gemeindechronik verrät, dass diese Einschätzung korrekt ist. Denn es ist heute nicht das erste Mal, dass an diesem Ort eine Grundsteinlegung stattfindet. Am 21. Oktober 1908 – also vor mehr als 112 Jahren, haben sich ziemlich genau hier an dieser Stelle schon einmal Menschen zu diesem Zweck versammelt – nämlich zur Grundsteinlegung der Kirche am Hochmeisterplatz, der späteren Hochmeisterkirche. Dieser Akt damals war der Ausdruck einer Expansion, eines Wachstums – Berlin wuchs, das kleine Dorf Wilmersdorf, innerhalb von ca. 20 Jahren quasi zu einer Stadt explodiert, wuchs und damit auch die Wilmersdorfer Kirchengemeinde. Die Wilmersdorfer Kirche war für die vielen Menschen, die in den neuen Häusern Halensees wohnten, viel zu weit weg und so hatte man sich entschlossen für die vielen neuen evangelischen Christen hier in Halensee eine neue Kirche zu errichten.

Die Herausforderung für Kirchen in der heutigen Zeit heißt nicht ungebremstes Wachstum, sondern wir müssen unseren Platz in einer Gesellschaft finden, die säkularer, weniger selbstverständlich kirchlich und auch multi-religiöser geworden ist. Dass wir hier heute dennoch einen Grundstein legen, kann man so verstehen, dass wir diese Herausforderung gerne annehmen, dass wir Teil dieser bunten Gesellschaft sein wollen und dass wir uns nicht hinter die mehr als 100 Jahre alten Mauern zurückziehen wollen, sondern dass wir nach außen in unseren Kiez strahlen und wirken wollen, transparent durch die Fenster des Hochmeisterpavillons sichtbar.

Wie war das damals vor 112 Jahren bei der Grundsteinlegung der Kirche? Wir wissen nicht nur Ort und Zeit der Veranstaltung, sondern wir kennen auch den Ablauf und viele der Teilnehmer – ein Beleg dafür, wie wichtig also ein solcher Akt historisch tatsächlich ist und für uns vielleicht ein Hinweis, dass sich auch in 100 Jahren noch Menschen daran erinnern werden, wer sich am 30.4.2021 hier vor der Hochmeisterkirche versammelt hat. Ich lese einen kurzen Abschnitt aus unserer Chronik:

"Am Mittwoch, den 21. Oktober 1908, vormittags 10 Uhr, findet endlich die feierliche Grundsteinlegung der Kirche statt. Pfarrer Kriebitz hält eine Ansprache, der Kirchenälteste und Patronatsvertreter Geheimer Oberregierungsrat Dr. Dieckmann verliest die Urkunde und nimmt die Schließung des Grundsteins vor. Anschließend vollzieht Generalsuperintendent Faber die Weihe. Es folgen die traditionellen Hammerschläge verbunden mit Weihesprüchen durch den Präsidenten des Konsistoriums, den Präsidenten der Königlichen Regierung, den Polizeipräsidenten, den Vorsitzenden des Kirchbau-Vereins und einige weitere Honoratioren. Das Schlussgebet und den Segen spricht Superintendent Schaper. Die Veranstaltung endet mit einem Gemeindegesang."

Wie gesagt, wir haben besondere Zeiten. In der Pandemie müssen wir nicht nur auf den Gemeindegesang verzichten, sondern auch auf die Einladung hoher Regierungsmitglieder und des Polizeipräsidenten. Wir haben uns stattdessen auf die wirklich wichtigen Menschen konzentriert:

Zuallererst möchte ich diejenigen begrüßen, die mit ihrer Hände Arbeit dafür sorgen, dass der Pavillon entsteht, die Bauleute, Mitarbeiter der Firma Müller. Vielen Dank, dass sie ihre Arbeit unterbrochen haben und mit uns an dieser Feier teilnehmen.

Entwurf, Planung und Bauleitung erfolgte und erfolgt durch das Architekturbüro Nedelykov Moreira, mit dem wir schon seit 2008 an diesem Projekt arbeiten. Ich freue mich sehr, dass Pedro Moreira zusammen mit seinem Mitarbeiter Ben Kühne heute bei uns ist.

Wir freuen uns auch darüber, dass der Kirchenkreis durch unsere stellvertretende Superintendentin Betina Schwietering-Evers vertreten ist – herzlich Willkommen in Halensee!

Für den Gemeindekirchenrat sind Jürgen Wandel hier und die Mitglieder der Bau-AG, Melanie Gingold, Bäbel Tech, Jan Langer und ich. Ein besonderer Dank geht an Jan Langer, der sicherlich von den ehrenamtlichen am Projekt Beteiligten mit Abstand die meiste Arbeit hineingegeben hat.

Ich freue mich auch sehr, dass einige unserer hautamtlichen Mitarbeiter heute anwesend sind: unserer Küsterin Nicole Woodgett, die die Zeitkapsel heute Morgen gefüllt hat, unser Hauswart Carlo Pace, der sie anschließend zugelötet hat und unser Kirchenmusiker Christian Hagitte, der uns musikalisch begleiten wird und einen besonderen Beitrag zur Kapsel beigesteuert hat – davon später mehr. Schließlich freue ich mich nun an unserer Pfarrerin Cornelia Benus-Dreyer zu übergeben, die diesen Akt geistlich begleiten wird.

Timo Wolff
(Vorsitzender des Gemeindekirchenrats)

Kategorien Anbau